Neumayer, Georg von / 1826-1909

Varianter NameNeumayer, Georg Balthasar ¬von¬ | Neumayer, Georg ¬von¬
Geburtsdatum21.06.1826
GeburtsortKirchheimbolanden, Stadt 
Sterbedatum24.05.1909
SterbeortNeustadt an der Weinstraße, Kreisfreie Stadt 
WirkungsortKirchheimbolanden, Stadt  | Frankenthal(Pfalz), Kreisfreie Stadt  | Speyer, Kreisfreie Stadt  | München | Melbourne |
Beruf oder BeschäftigungMeteorologe  | Geophysiker 
GND-Sachgruppe | Personen zu...Geologie 
QuellenKretzer, Hans-Jochen: Georg von Neumayer. - In: Pfälzer Lebensbilder. - 4 (1987), S. 205-222 | NDB/ADB-Online, mdz1.bib-bvb.de/~ndb/ndbmaske (Stand: 12.04.2007) | http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_von_Neumayer (Stand: 10.11.2010)  (Stand: 10.11.2010)
GND-Nummer118738674
Siehe auch Biographien der NDB | Deutsche Nationalbibliothek (DNB) Deutsche Nationalbibliothek (DNB) |  Wikipedia-Personenartikel
LiteraturLiteratur von Georg von Neumayer in der RPB | Literatur über Georg von Neumayer in der RPB

Datum der letzten inhaltlichen Bearbeitung: 02.08.2022

Biogramm

Georg Balthasar Neumayer kam als 5. Kind des Notars Georg Neumayer und dessen Gattin Theresia, geb. Kirchner, in Kirchheimbolanden zur Welt; 1832 zog die Familie nach Frankenthal; Neumayer besuchte dort das Progymnasium und anschließend das Gymnasium in Speyer; prägend war für ihn der Unterricht des Mathematikers Friedrich Magnus Schwerd, der ihn zu astronomischen und geodätischen Arbeiten hinzuzog; 1845 ging er nach München, um an der Polytechnischen Schule zu studieren; das Ingenieursexamen legte er 1849 ab; anschließend wechselte er als Assistent von Karl Joseph Reindl an das Physikalische Institut der Universität München und an die Bogenhausener Sternwarte von Johann von Lamont; bereits 1848 hatte er versucht, in den deutschen Flottendienst aufgenommen zu werden, scheiterte aber; zwei Jahre später scheiterte auch die Aufnahme in die holländische und die amerikanische Flotte; daraufhin heuerte Neumayer bei der Handelsflotte an und unternahm eine Fahrt nach Brasilien; nach seiner Rückkehr besuchte er die Hamburger Navigationsschule und lernte bei Karl Ludwig Rümker; nach nur sechs Wochen erwarb er das Steuermannspatent; 1853 brach er nach Australien auf und musterte in Melbourne ab; während einer Forschungsreise an den Murray-Fluss, auf der er erdmagnetische Messungen vornahm, fasste er den Entschluss in Australien ein Observatorium für geophysikalische Forschungen aufzubauen; Neumayer kehrte nach Deutschland zurück und begann, Mittel dafür einzuwerben; unterstützt wurde sein Plan u.a. von den bekannten Forschern Alexander von Humboldt, Michael Farady und Justus von Liebig; die nötigen Mittel stellte schließlich der bayerische König Maximilian II. zur Verfügung; nach erdmagnetischen Messungen in der Rheinpfalz, Hamburg und Schleswig-Holstein kehrte er 1857 nach Australien zurück und errichtete in Melbourne das Flagstaff-Observatorium; 1864 verließ Neumayer Australien und kehrte in seine alte Heimat Frankenthal zurück; auf dem Geographentag in Frankfurt warb er 1865 für eine Antarktisexpedition und die Gründung eines Instituts für Hydrographie und maritime Meteorologie in Deutschland; aufgrund der politischen Verhältnisse in Deutschland ließen sich diese Ziele vorerst aber nicht verwirklichen; die Durchführung einer österreichischen Südpolarexpedition im Jahr 1871 unter Admiral Wilhelm von Tegetthoff gelang ihm ebenfalls nicht; 1876 wurde Neumayer zum Direktor der Deutschen Seewarte in Hamburg ernannt; dieses Amt behielt er 27 Jahre inne; in seiner neuen Position trieb Neumayer sein großes Ziel, die Erforschung der Antarktis, stetig voran; auf dem Geographentag in Bremen 1895 wurde eine deutsche Südpolarexpedition beschlossen; an den Vorbereitungen wirkte Neumayer entscheidend mit; Leiter der Expedition, die zwischen 1901 und 1903 durchgeführt wurde, war Erich von Drygalski; 1903 ging Neumayer in den Ruhestand; seinen Lebensabend verbrachte er in Neustadt an der Haardt; in Anerkennung seiner Verdienste um die Erforschung der Antarktis werden die Forschungsstationen in dieser Region nach ihm benannt, zuletzt im Februar 2009 die Neumayer-Station III.

Biogramm / alternativ

Seine Erkenntnisse als Direktor des neuen Flagstaff-Observatoriums schilderte Neumayer auf dem ersten deutschen Geographentag 1865 und warb in Frankfurt für zwei große Projekte: Die Gründung einer deutschen Forschungsgemeinschaft für Hydrographie und maritime Meteorologie sowie für eine deutsche Antarktis-Expedition. Für sein zweites Projekt fand Neumayer damals noch keine Mehrheit. Die Norddeutsche Seewarte hingegen wurde drei Jahre später gegründet. - Neumayer hatte verstanden, dass man für große Wissenschaftsprojekte potente Geldgeber finden muss. Also führte sein Weg nach Berlin. Bei einem Vortrag wurde der Chef der Admiralität General von Stosch auf ihn aufmerksam und holte Neumayer am 1. Juli 1872 ins hydrographische Bureau der Kaiserlichen Admiralität am Leipziger Platz 13. - Mit der Gründung des deutschen Reiches hatten sich die Bedingungen für Neumayers Ideen entscheidend verbessert. Neben magnetischen Vermessungen der deutschen Küsten betreute er in der Admiralität den Aufbau des "Kaiserlichen erdmagnetischen Observatoriums" in Wilhelmshaven. Seinem Ziel einer Südpolar-Expedition kam er durch die von der Admiralität geförderte Weltumseglungs-Reise der Korvette "Gazelle" 1874-1876 näher. - Am 1. Februar 1875 wurde die frühere Norddeutsche Seewarte als Deutsche Seewarte in Hamburg zum Reichsinstitut. Georg Neumayer übernahm die Leitung und wurde 1876 zum Direktor - eine Aufgabe, die er fast drei Jahrzehnte lang mit Ideenreichtum und Durchsetzungskraft ausfüllte. Mit und mit erweiterte Neumayer die Aufgaben der Seewarte, organisierte einen Sturm-Warnungsdienst und eine 10-Tage-Wettervorschau. Die Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse für die Seefahrt wurde das Markenzeichen der Seewarte. Ab 1882 veröffentlichte sie Segelhandbücher für die großen Weltmeere, Küstenbeschreibungen und einen Atlas des Erdmagnetismus, Neumayers Spezialgebiet. - Als Direktor der Seewarte konnte er sein zweites Projekt vorantreiben, die Erforschung der Antarktis. 1879 gründete sich die "Internationale Polar-Kommission" in den Räumen der Seewarte, Neumayer übernahm den Vorsitz. 1895 gelangte er ans Ziel: Auf dem Geographentag in Bremen wurde eine deutsche Südpolar-Expedition beschlossen, hierfür übernahm Neumayer den Kommissionsvorsitz. In seinem 1901 erschienenen Buch "Auf zum Südpol" führte von Neumayer alle Erkenntnisse und Vorträge zum Thema zusammen. Im gleichen Jahr verließ das eigens gebaute Forschungsschiff "Gauß" den Kieler Hafen in Richtung Antarktis. - In Hamburg unterrichtete derweil Georg von Neumayer einen jungen Norweger in geomagnetischer Messtechnik. Neumayer, schon 75 Jahre alt, pflegte ein herzliches Verhältnis zu seinem 46 Jahre jüngeren Gast. Zehn Jahre später sollte Roald Amundsen als erster Mensch den geografischen Südpol erreichen. Aber auch Georg von Neumayer war längst zu einer international anerkannten wissenschaftlichen Autorität geworden, als er 1903 nach Ende der Südpolfahrt der "Gauß" in den Ruhestand ging. - Den verlebte er in Neustadt an der Weinstraße, wo er sich neben erdmagnetischen Vermessungen der Rheinpfalz vor allem um die von ihm gegründete Stiftung kümmerte. Sie bewahrt von Neumayers Erbe und setzt sich für Naturforschung, Naturschutz und Umweltbildung ein. Seine naturwissenschaftliche Bibliothek mit mehr als 7.000 Bänden pflegt die Pfälzische Landesbibliothek in Speyer. Georg von Neumayers damalige Rückkehr in die Pfalz dürfte eine kleine Personengruppe besonders freuen: Die Besatzung der Antarktisstation. Die Präsidenten der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd in Neustadt führen eine Idee aus dem Jahr 1984 fort und schicken in jedem Herbst ein großes Paket Pfälzer Wein auf die 14.000 Kilometer lange Reise. So sorgen sie am kürzesten Tag des Jahres für eine fröhliche Midwinter-Feier am Südpol. ---[Biogr. übernommen aus: Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer in Berlin ... ein Projekt der Vertretung des Landes Rheinland-Pfalz beim Bund. Berlin : Vertretung des Landes Rheinland-Pfalz beim Bund, 2022 (1 Online-Ressource)]