| Varianter Name | Müller, Adolf Gustav / 1863-1943 |
| Geburtsdatum | 19.08.1863 |
| Geburtsort | Wittlich, Stadt |
| Sterbedatum | 05.09.1943 |
| Sterbeort | Merligen |
| Beruf oder Beschäftigung | Diplomat |
| GND-Sachgruppe | Personen zu... | Politiker und historische Persönlichkeiten |
| Werke | ¬Die¬ bayrische Volksvertretung und das allgemeine direkte Landtagswahlrecht, München 1894 | ¬Der¬ Fall Fuchsmühl, eine Skizze aus dem Rechtsstaat, München 1895 | Weitere Publikationen in den oben genannten Zeitungen und Zeitschriften |
| Quellen | Karl Heinrich Pohl: Adolf Müller, Geheimagent und Gesandter im Kaiserreich und Weimarer Republik, Köln 1995 | Wilhelm Heinz Schröder: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen, Düsseldorf 1995, 624 | MariaWein-Mehs: Adolf Müller, in: Juden in Wittlich 1808-1942, Wittlich 1996, 461-468. |
| GND-Nummer | 119228467 |
| Siehe auch | Biographien der NDB | |
| Literatur | Literatur über Adolf Müller in der RPB |
Diplomat. - Zunächst besuchte M die jüdische Privatschule, 1872-1875 die Höhere Stadtschule Wittlich und 1875-1880 die Höhere Bürgerschule in Trier. M studierte Volkswirtschaft und nicht nachweisbare weitere Fächer in Straßburg und Berlin. Nicht nachweisbar ist die Promotion zum Dr. med. Seit 1888 publizierte er in einer Trierer Zeitung unter dem Pseudonym "Trevir", wurde 1891 Mitarbeiter und Organisator der polit. Depeschenagentur "Herold" in Gotha und Berlin. 1893 Mitarbeiter und 1896 bis etwa 1918 Chefredakteur der "Münchner Post". Weiter war M ständiger Mitarbeiter der "Neuen Zeit", Mithg der "Glocke". 1908 gründete er ein eigenes sozialdemokratisches Nachrichtenbüro. Er gehörte dem reformistischen Parteiflügel der bayrischen So- zialdemokratie an. 1899-1918 war M Mitglied des Bayrischen Landtages und 1918 Mitglied des provisorischen bayrischen Nationalrates. 1909 war er im Landesvorstand der SPD und 1910 stellvertr. Fraktions- und Parteivorsitzender. Seit 1914 war er als inoffizieller Diplomat und Geheimagent tätig, hatte Kontakte zur internationalen Friedensbewegung und trat für einen Verständigungsfrieden ohne Sieger und Besiegte ein. 1916-1919 war M Beauftragter der Reichsregierung in der Schweiz und 1921-1933 außerordentl. Gesandter und bevollmächtigter Minister in Bern; er war der erste deutsche Sozialdemokrat im deutschen diplomatischen Dienst. Initiator und Vorsitzender der schweizerisch-deutschen Hilfskommission zugunsten des notleidenden Deutschland. M suchte die negativen Folgen des Versailler Vertrages zu mindern. In einer deutsch-französ Verständigung sah er die Chance für einen dauerhaften Frieden. M war Berater der Reichspräsidenten Ebert und Hindenburg, der Reichskanzler Wirth, Stresemann, Müller und Brüning. Da er Verfechter einer starken demokratischen Staatsform war und jede faschistische Diktatur ablehnte, wurde er 1933 in den Ruhestand versetzt; nach Deutschland konnte er nicht mehr zurückkehren. Sein Bestreben, seine jüdische Herkunft geheim zu halten, veranlaßte ihn seit seiner Studentenzeit zu falschen und lückenhaften Angaben seiner Biographie. - Für seine Hilfsaktionen für deutsche Studenten wurde er 1922 durch Berufungen zum Ehrensenator der Universität Heidelberg und der Technische Hochschule Stuttgart geehrt. Die Universität Tübingen ehrte ihn durch eine Promotion ehrenhalber und die Universität München ernannte ihn zum Ehrenbürger. - *Heirat: 1900 mit Franziska Brunner. - ---[Daten übernommen aus: Maria Wein-Mehs, in: Monz, Heinz / 1929-2012 (Hrsg.): Trierer Biographisches Lexikon. - Trier : Wissenschaftlicher Verlag, 2000. - ISBN 3-88476-400-4]